Gaming Explained: Achievement unlocked! Die unbändige Jagd nach den Trophäen

Resident Evil wurde vor 20 Jahren nur mit dem Messer durchgespielt - und dabei wurde niemals gespeichert. Diese mutigen Spieler waren die Helden der Community und haben sonst nichts dafür bekommen. Heute würden sie vermutlich eine Trophäe oder ein tolles Profilbild ergattern - Willkommen in der Zeit der Achievements!

Shàwen 02.04.16

Es ist mal wieder soweit: endlich ist Freitag und das Wochenende kann kommen. Neben dem Feiern mit Freunden ist nichts geplant, außer einem gemütlichen Wochenende mit einer Menge Games. Was aber spielen wir? SC2 – nee, da dümpeln wir schon lange in der Platinliga vor uns hin und erreichen doch nichts mehr. Diablo 3? Nee, die neue Season hat schon angefangen und die ersten zehn Ranglistenplätze sind sowieso schon belegt. Wir kramen also unsere PS4 hervor und machen uns einen gemütlichen Tag in unserem Lieblingssessel mit dem Controller in der einen und ein paar Chips in der anderen Hand.

Pling! - Die Jagd beginnt

Wir suchen uns einen ruhigen Titel wie Murdered: Soul Suspect und fangen an. Kaum sind wir tot und sammeln als Geist unsere ersten Hinweise, ploppt auch schon ein Achievement auf. Das ist der Moment, in dem wir vermutlich das erste Mal die Liste aller sammelbaren Erfolge aufrufen. Wir sind erstaunt – da gibt es ja viel zu sammeln. Und schon geht sie los, die Jagd nach den Belohnungen in Form kleiner Bildchen und Punkte. Toll! Wir stellen fest, dass wir immer mehr Zeit in das Spiel investieren, um auch den letzten Winkel zu erforschen – schließlich wollen wir nichts übersehen. Ob die Geschichte weiter geht oder nicht, ist erst einmal egal, bloß nichts übersehen – die Achievements, die wollen wir! Der Spielspaß? Der rückt schleichend in den Hintergrund.

Quelle: http://gamesforpublic.de

Aber warum ist das so, warum sind wir so begeistert von dem Belohnungssystem, sei es in Diablo3, der Kampange bei SC2, The Order 1886 oder zahlreichen anderen Titeln?

Achie... - WAS?

Bevor wir dieser Frage auf den Grund gehen, widmen wir uns erst einmal der Frage, was Achievements überhaupt sind und woher sie kommen.

Das Wort Achievement kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt nichts anderes als Errungenschaft, Leistung. Man bekommt sie, wenn man eine besondere Leistung erbracht hat. In diversen Spielen erhält man eine Belohnung dafür, dass man z.B. eine gewisse Anzahl an Gegnern mit einem Kopfschuss tötet. Wie genau diese Belohnung aussieht, hängt vom System und dem Spiel ab.

Auf der Xbox gibt es beispielsweise ganz klassische Achievements – erreicht man ein bestimmtes Spielziel, erhält man ein freundliches Popup mit Punkten und Informationen über die erbrachte Leistung (z.B. „Töte 10 Gegner mit einer Granate“). Auf der PS4 gibt es sogenannte Trophäen, je nach Schwierigkeitsgrad eingeordnet in Bronze, Silber, Gold oder Platin. Eine Platintrophäe erhält nur derjenige, der alle anderen Trophäen in dem Spiel erobern konnte. In diversen PC-Spielen erhält man für besondere Leistungen coole Portraitbildchen (z.B. bei Starcraft 2), Punkte oder schmückende Ingame-Gegenstände, die keinen Einfluss auf das Spiel haben (z.B. bei Diablo 3 während der Season-Reise). Achievements sind also eigentlich nur Pixelchen, die einen weder vorran bringen, noch einen spieltechnischen Vorteil versprechen.

Quelle: androvid.de

Die frühen Anfänge – Darf ich vorstellen: „Herr Highscore“

Die Idee ist eigentlich nicht neu. Schon damals in den heißen, lärmenden Arcarde-Hallen traten Spieler an, um den Highscore in Pac-Man, Paperboy oder Final Fight zu knacken. Jeder wollte der Beste sein und sich und seine Punkte verewigen. Der Highscore war eine gute Möglichkeit, sich auch in einem Singleplayer Spiel mit anderen zu messen. Der Spieler mit den höheren Punkten konnte den kleinen fressenden Kreis mit dem Schlitzmund wohl besser durch die Geister lenken ohne zu sterben. Auf den Handhelds wie dem Gameboy konnte man sich mit Freunden vergleichen, indem man den Highscore, z.B. bei Tetris, betrachtete. Die Zeit verging, die Spiele wurden komplexer und das gemeinsame Spielen rückte immer mehr in den Vordergrund, sodass irgendwann ein genialer Geist auf die Idee kam Achievements einzuführen – eben jene nutzlosen Pixel, die uns dennoch so fesseln.

Quelle: http://eskipaper.com

Motivation und virtuelles Kräftemessen sind die Schlüssel

Der Grund weshalb wir so versessen auf Achievements, Ränge und tolle Portraitbilder sind, liegt in unserer Psyche verborgen. Aus der Lernpsychologie kennen wir Begriffe wie intrinsische und extrinsische Motivation – zwei Begriffe die auch bei der Jagd nach Trophäen eine wichtige Rolle spielen. Unter intrinsischer Motivation versteht man einen Zustand, bei dem die Motivation aus dem Inneren, aus sich selbst, heraus kommt. Der Anreiz liegt in der Tätigkeit – wir spielen Computerspiele, weil es uns Spaß macht, wie wir bereits in einem früheren Artikel erfahren konnten. Oft kommt es dabei zu dem von Professor Mihály Csíkszentmihályi beschriebenen Flow-Erleben, das uns dazu drängt weiterzuspielen – wir sind mental vollkommen von unserer Welt losgelöst und tauchen komplett in das Spiel ein. Mit dem Aufploppen des ersten Achievements, den ersten Punkten oder auch dem ersten freigeschalteten Portraitbild kommt die extrinsische Motivation dazu. Hierbei wird die Motivation durch äußere Reize, wie z.B. Belohnungen oder Vermeidung von Bestrafung, hervorgerufen. Genau dieses Motivationsverhalten wird getriggert, wenn wir auf der Jagd nach Trophäen sind – wir spielen nicht mehr um des Spielens willen. Nein, wir spielen, weil wir belohnt werden, denn wir bekommen etwas für unsere Leistung. Wenn dann noch mehr Reize dazu kommen, wie z.B. ein Geldgewinn von 2.000 USD, den RootFayth dem ersten Spieler in Wings of Liberty für 1.000 Solo Siege mit jeder Rasse versprach, ist die Motivation perfekt.

Quelle: mehr-fuehren.de

Die Grundmotive – ein weiterer Antrieb der Motivation

Neben dieser instrumentellen Motivation spielen auch die Grundmotive eine starke Rolle. Diese wurden nach dem Verhaltens- und Sozialpsychologen McClelland in Zugehörigkeit, Macht und Leistung eingeordnet – alles Gründe deretwegen wir so scharf auf Achievements sind. Wenn wir z.B. in SC2 schwer erreichbare und somit seltene Portraitbilder freispielen, haben wir etwas erreicht, das nicht jeder kann – zwei Grundmotive wurden befriedigt. Wir haben Status erlangt (Macht) und sind erfolgreich (Leistung).

Wenn Freunde auf unser Profil klicken und sehen, dass wir schon 15 Platin-Trophäen haben, bekommen wir Anerkennung. Wir fühlen uns gut, wenn wir sehen, dass andere nur fünf Platin-Trophäen haben, wir aber schon 15. Wir sind stolz und vergleichen uns virtuell mit den anderen – wir sind besser als sie, wir sind mächtiger. Beim virtuellen Kräftemessen spielt also auch das Grundmotiv der Macht ganz offenkundig eine tragende Rolle.

Sobald wir für unsere ganzen Achievements und Punkte noch Wertschätzung durch andere erlangen, wird zu einem gewissen Teil auch das Grundbedürfnis der Zugehörigkeit mit eingebunden. Wir sind angesehen und fühlen uns gut.

Extrinsische Belohnungen können die intrinsische Motivation auslöschen

Ähnlich ist es beim Laddern in Starcraft 2– je weiter wir die Rangliste nach oben steigen, desto mehr werden unsere Grundmotive befriedigt und umso größer wird die extrinsische Motivation. Irgendwann laddern wir nicht mehr, weil es uns Spaß macht, sondern weil extrinsische Reize uns dazu antreiben. Wir wollen Rang eins in unserer Division erklimmen, in die nächste Liga aufsteigen, Grandmaster werden. Wir wollen ein Ziel erreichen und nicht zuletzt auch Anerkennung in der Starcraft-Szene erhalten.

Solch ein Verhalten kann sogar darin münden, dass manche Menschen Videospiele nur noch wegen der Achievements spielen – das Game selbst rückt endgültig in den Hintergrund. Ein schlechtes Spiel mit vielen Trophäen wird zum Ende gebracht, selbst wenn der Spaß dabei auf der Strecke bleibt.

Wenn wir also in der neuen Season von Diablo 3 die Season-Reise starten, sollten wir uns überlegen, ob es uns noch so viel Spaß macht, dass wir die Zeit investieren wollen oder ob wir vielleicht doch mehr Lust auf etwas Neues hätten. Dann sind wir zwar nicht der „geile Typ, der mal wieder die ganze Reise abgeschlossen hat“, dafür aber ein Zocker mit mehr Spaß am Spielen.

Und als Schmankerl am Ende: Wer es noch nicht kennt, sollte wenigstens einmal Achievement unlocked spielen – ein Spielgenuss für fast jeden. Eine Parodie auf die Achievments, bei der es nur darum geht, 100 dieser wertlosen Pixelchen zu sammeln.

Wie ist es bei euch? Gehört ihr auch zu den Trophäen-Jägern oder ist euch das nicht wichtig?

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Shàwen

Manche nennen mich Tammy, Gute-Laune-Mensch, Life for Science, Alles wird gut!, Kaninchenfreund, hat ein Herz für Horrorspiele und ganz wichtig: Oo De Lally!

2. April 2016 - 20:28
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zakadar
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22.09.2017 - 01:32
12.11.15
7

bei mir ist es sehr unterschiedlich mit den archievments sehr viele viele ignorier ich meistens besonders welche die nur auf masse ausgelegt sind mach 20 mal dies oder 30 mal das ne las gut sein . Welche ich aber gut finde sind welche die einen dazu bringen orginelle strategien zu entwickeln als beispiel bei sc2 warpe einen zealot als zerg herbei oder töte in einen spiel 20 einheiten mit snipe was in hots verdammt viel schwerer war als in lotv was einen dazu bringt eine ghost fokussierte armee zu bauen und nicht auf grinden hinausläuft

2. April 2016 - 23:11
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Flakes
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25.11.2016 - 21:29
02.06.15
111

Ich oute mich selbst auch mal als Trophäenjäger. Wenn es um die Vervollständigung von etwas geht bin ich ein sehr ehrgeiziger Mensch. Und wenn mir ein Spiel Spaß macht und dessen Trophäenliste machbar erscheint, dann will ich das auch alles schaffen - und in meinem Falle die Platin-Trophäe ergattern. Inzwischen bin ich bei etwa 20 Platin-Trophäen angekommen.

Das können Spiele sein, die mir einfach Spaß machen, wie Metal Gear Solid 3 oder Shadows of the Damned. Oder es sind Trophäen, auf die ich schlichtweg sehr stolz bin. Darunter fallen definitiv so Kracher wie Bloodborne, Fallout 3 oder Demon's Souls. Inzwischen ist dieser Drang etwas gefallen und war auch nur auf der Playstation so besonders. Aber ab und an schaue ich gerne mal auf meine Trophäensammlung und kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. :-)

4. April 2016 - 9:00
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Shàwen
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29.08.2018 - 20:30
01.07.14
908

@zadakar: Interessant, du bist also kein "traditioneller Trophäenjäger", sondern sammelst nur die, die schwer zu erreichen sind. Das ist auch spannend.

@fr0sT: 20? Wow, Respekt - ich vergesse immer mein Profil zu übernehmen, da fange ich immer wieder bei 0 an. Auf der PS4 habe ich noch nicht einmal eine :D.

9. April 2016 - 16:56
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Cable
Core
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30.11.2017 - 21:03
24.02.15
30

Hey,

also ich bin kein Trophäenjäger, ich les mir auf der Playstation immer gern durch was man so alles machen kann und lache auch gerne, weil die Bennennung der Trophäen ist ja immer ganz witzig geraten :-)

Aber die Jagd danach ist mir zu sinnlos und es gibt mir nicht viel her, weil ich es ehrlich gesagt für nen Digitalen Schwanzvergleich halte, sorry für die Ausdrucksweise, aber das ist nunmal meine Meinung^^

Und auf meinem heißgeliebten 3DS gibts sowas nicht, wofür ich sehr dankbar bin, aber wer weiß was die Zukunft bringt.

Zum Artikel, er ist sehr liebevoll geschrieben, man merkt dass du darauf stehst wenn das Nachrichtenfenster erscheint. Gut recherchiert :-) Ich fand ihn auch sehr angenehm zu lesen und gut aufgeteilt. Eine Wonne fürs Hirn. Zwei Daumen nach hoch!

9. April 2016 - 18:56
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Shàwen
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29.08.2018 - 20:30
01.07.14
908

Hallo Cable,

danke für dein Feedback, da freut man sich doch direkt sich "in einen neuen Artikel zuschmeißen" :).

Liebe Grüße,

Shàwen

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